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Sturz einer Person aus großer Höhe in enge Häuserspalte

Kategorie: Nationales Feuerwehrteam des Jahres

Name der Feuerwehr: Freiwillige Feuerwehr Erbach (Hessen)

Name des Einsatzes: Personenrettung aus Häuserspalte

Am Sonntag, den 13. August 2017 herrschte kurz nach dem Sonnenaufgang um 06:11 Uhr eine Lufttemperatur von 15°C, der Wind wehte mit einer leichten Brise aus Süden. Um kurz nach 06 Uhr ging bei der Zentralen Leitstelle des Odenwaldkreises in Erbach der Notruf ein: In der Jahnstraße sei eine Person aus größerer Höhe gestürzt. Der Disponent eröffnete einen Rettungsdiensteinsatz mit dem Stichwort „R2“ und entsandte neben einem RTW auch das in Erbach stationierte NEF. Am Einsatzort wurde die Besatzung des ersteintreffenden Rettungsmittels eingewiesen und verschaffte sich über eine schmale Baulücke einen ersten Zugang zur verletzten Person. Diese lag in der hinteren von zwei durch die 30-40 cm breite Baulücke zugänglichen Freiflächen zwischen den beiden Wohngebäuden Nr. 8 und Nr. 10. Da durch den Zugang nur eine notdürftige Versorgung, aber keine Rettung möglich war, wurde die Feuerwehr nachgefordert. 

Mit dem Einsatzstichwort „H1- Menschenrettung über Drehleiter“ wurde um 06:20 Uhr die Feuerwehr Erbach-Mitte über Pager alarmiert. Gemäß Alarm- und Ausrückeordnung machten sich vom rund einen Kilometer entfernten Feuerwehrhaus ELW 1 (1:1), DLK 23-12 (1:2) und LF 16/12 (1:4) auf den Weg zur Einsatzstelle. Aufgrund einer umfangreichen Baumaßnahme auf der die Stadt durchquerende B45 musste die Anfahrt über die Hauptstraße erfolgen. Hier wurde durch falsch geparkte Pkw der Anmarsch der Großfahrzeuge deutlich verzögert.

Der mit dem ELW 1 als zuerst eintreffende Einsatzleiter nahm zunächst Kontakt mit dem Notarzt auf. Dieser teilte mit, dass der Zustand der verletzten Person eine schonende Rettung erlaubt. Aufgrund der Lage der verletzten Person in Verbindung mit der Bausituation schied eine Rettung über die Drehleiter per se aus. An Haus Nr. 8 wurde jedoch ein Fenster entdeckt, welches in die vordere der beiden Freiflächen gerichtet ist.

Als erste Option wurde eine Rettung über Schleifkorbtrage und Steckleiterteile über das Fenster von Haus Nr. 8 favorisiert. Die Besatzung des LF 16/12 wurde damit betraut, einen Zugang zum Objekt herzustellen und die Rettungsmöglichkeit weiter zu erkunden. Da das Haus zum Zeitpunkt des Einsatzes unbewohnt war, wurde die Polizei hinzugezogen und das Objekt gewaltsam geöffnet. Bei der weiteren Einsatzplanung musste die Option verworfen werden, da die Person durch die zu enge Baulücke nicht auf die vordere Freifläche umgelagert werden konnte. Zwischenzeitlich wurde ein Zugang zu einer weiteren, rund drei Meter höher gelegenen Freifläche erkundet, diese war jedoch durch ein verblendetes Gittertor von Haus Nr.10 verschlossen. Es wurde nun eine Rettung über den Gerätesatz Auf- und Abseilgerät eingeleitet. Hierzu wurde noch eine im Feuerwehrhaus befindliche Einsatzkraft mit der Qualifikation „Absturzsicherung“ zur Einsatzstelle beordert sowie die an der Einsatzstelle befindlichen Kräfte mit entsprechender Zusatzausbildung gesammelt.

Zur letztendlichen Durchführung der Menschenrettung wurden folgende Schwerpunkte gebildet:

  • Gewaltsame Öffnung des Gittertors mit Trennschleifer
  • Erkundung möglicher Festpunkte für den Gerätesatz Auf- und Abseilgerät
  • Ausrüstung eines Trupps mit Gerätesatz Absturzsicherung zur Arbeit im absturzgefährdeten Bereich
  • Lagern der verletzten Person in ein KED- System

Nachdem das Gitter geöffnet war, konnten auf den ersten Blick keine geeigneten Festpunkte identifiziert werden. Einzige Möglichkeit war die Schaffung eines Festpunkts mit einem starken Holzbalken, als Auflager dienten eine Fensteröffnung sowie eine Dachkonstruktion. In dieser Zeit verschlechterten sich die Vitalparameter der verletzten Person, sodass die Rettung nun zügiger erfolgen musste.

Nachdem der verletzten Person das KED-System angelegt und der Gerätesatz Auf- und Abseilgerät einsatzbereit war, wurde die Person auf die höhergelegene Freifläche aufgeseilt und von dort mit der Schleifkorbtrage zur Fahrtrage auf Straßenniveau transportiert.

Eine Stunde und zehn Minuten nach Alarmierung der Feuerwehr war die Person befreit und dem Rettungsdienst übergeben. Die Person wurde vom Rettungsdienst zur weiteren Behandlung ins Gesundheitszentrum Odenwaldkreis in Erbach transportiert.